Aufbauend auf der Vorarbeit und der Informationsveranstaltung der Gemeinde Retzstadt ist das Ziel der Arbeitsgruppe, zu untersuchen, ob auch in Retzstadt die Installation eines nachhaltigen, zukunftssicheren Wärmekonzeptes möglich ist. Alle Teilnehmer sollen am Ende zuverlässig, günstig und weitestgehend klimaneutral mit Wärme aus erneuerbaren Energien versorgt werden. Voraussetzung für ein solches Konzept ist eine möglichst hohe Beteiligung der Bürger. Um einen ersten Überblick über die Teilnahmebereitschaft zu erhalten, ist es wichtig, dass möglichst viele an der Umfrage der Gemeinde teilnehmen.
Liebe Bürgerinnen und Bürger von Retzstadt,
wir möchten Sie heute über die Ergebnisse der Arbeitsgruppe (AG) Nahwärme informieren, die sich seit Dezember 2024 intensiv mit der Frage eines möglichen Nahwärmenetzes in unserer Gemeinde beschäftigt hat.
Informationen zur AG und ihrer Arbeit
Die AG besteht aus 19 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die einen Querschnitt unserer Gemeinde repräsentierten. In zehn Sitzungen, darunter eine mit dem Unternehmen Enerpipe, wurden verschiedene Aspekte eines Nahwärmenetzes diskutiert. Um die optimale Basis für die Projektierung eines Nahwärmenetzes zu ermitteln, wurde die Befragung durch die Gemeinde genutzt. Zusätzlich wurde bei Haustürgesprächen mit den noch fehlenden Umfragerückläufern das Interesse an einem solchen Netz abgefragt. Parallel wurde eine Webseite gestaltet, mit der wir allen Interessierten das Thema Nahwärme in Retzstadt näherbringen wollten und über die jeweiligen Entwicklungen informierten. Weitere Aktivitäten umfassten eine Exkursion nach Lonnerstadt sowie die Erstellung und Prüfung von fünf Konzepten, die durch die Fa. Enerpipe kalkuliert wurden.
Nahwärme
Die AG hat sowohl die Vorteile als auch die Herausforderungen eines Nahwärmenetzes sorgfältig abgewogen:
Status Retzstadt (Bürgerumfrage)
In einer Umfrage an die 553 Retzstadter Haushalte zeigte sich folgendes Interesse zum Anschluss an ein Nahwärmenetz:
Entwicklung der Konzepte aus der AG
Enerpipe präsentierte zunächst einen Ansatz mit Hackschnitzeln als Heizquelle. Eine Wärmepumpe wurde als teurer in der Anschaffung, aber potenziell günstiger im Betrieb bewertet. Die AG diskutierte eine nachhaltige Hybridlösung mit unterschiedlichen Heizquellen, die sowohl den Sommerbedarf als auch die Spitzenlast im Winter abdeckt. Daraus hat sich folgendes Ziel-Konzept entwickelt:
Ziel-Konzept der AG:
Kalkulations-Varianten (Enerpipe)
| Bezeichnung | Wärmeerzeugung | Einmalige Kosten | Monatliche Kosten | Wärmepreis |
|---|---|---|---|---|
| Variante 1 | Nur Hackschnitzel | 15.000 € Anschlusskosten, 2.500 € Genossenschaftsanteile |
40 €/Monat | ca. 14 ct/kWh Wärme |
| Variante 2 | 70% Wärmepumpe / 30% Hackschnitzel | 15.000 € Anschlusskosten, 2.500 € Genossenschaftsanteile |
40 €/Monat | ca. 23 ct/kWh Wärme |
Fazit:
Bislang konnte keine der beiden Varianten vollständig überzeugen. Erfahrungen von anderen Nahwärme-netzen zeigen, dass eine Beteiligung von min. 50% der Haushalte notwendig ist und die durchschnittliche Leitungslänge je Haushalt 40m nicht überschreiten sollte. In Retzstadt haben sich nur 37% der Haushalte zu einer sofortigen Teilnahme bereit erklärt und die Leitungslänge je Haushalt liegt bei 65 m. Durch die verhältnismäßig langen Leitungen je Haushalt ergibt sich bei der Berechnung auch ein hoher Wärmeverlust von ca. 22%. Es müsste also 1/5 mehr Wärme produziert werden, als durch die Verbraucher effektiv genutzt wird.
Zum Vergleich der Varianten:
Variante 1 ist auf jeden Fall die wirtschaftlichere, birgt allerdings Unsicherheiten bei der Kostenentwicklung der Hackschnitzel (z. B. durch steigende Nachfrage) und ist weniger nachhaltig, da der Holzbedarf nicht durch den heimischen (Retzstadter) Wald gedeckt werden kann und auch keine alternative, emissionsfreie Heizquelle zum Einsatz kommt. Rein rechnerisch würde bei dieser Variante für jeden Haushalt ein Bedarf von ca. 25 Ster Holz pro Jahr entstehen.
Variante 2 ist definitiv ökologisch nachhaltiger, da ein Großteil der Wärmeenergie durch die Wärmepumpen erzeugt werden würde, ist aufgrund der aktuell höheren Kosten jedoch deutlich unwirtschaftlicher. Wesentliche Ursachen dafür sind die sehr hohen Investitionskosten für die Wärmepumpen und die Tatsache, dass der Strom für die Wärmepumpen derzeit zum regulären Strompreis (Netzpreis: 27 ct/kWh) bezogen werden muss. Der Bezug des Stromes, z. B. direkt vom Bürgerwindpark, ist aktuell wegen rechtlicher Vorgaben nicht möglich. Sollten sich diese rechtlichen Einschränkungen oder auch andere Rahmenbedingungen signifikant verbessern, könnte Variante 2 wirtschaftlich deutlich interessanter werden. Eine Möglichkeit wäre, den Strom zur Einspeisevergütung (ca. 5 - 10 ct/KWh), beispielsweise durch den geplanten PV-Park in Retzbach-Zellingen oder Anpassungen bei den Stromleitungsverträgen der Windräder, zu beziehen.
Die AG Nahwärme empfiehlt daher, die Entwicklung in diesen Bereichen aufmerksam zu verfolgen und bei positiven Veränderungen das Thema Nahwärme wieder zu reaktivieren und eine Neubewertung durchzuführen.
Wir bleiben dran und informieren Sie über alle weiteren Entwicklungen!
Arbeitsgruppe Nahwärme
Stand: 12.11.2025
Bestehende Infrastruktur kann mit unterschiedlichen Energiequellen genutzt werden, egal was die Zukunft
bringt. Der Start wird so womöglich mit Hackschnitzel sein, aber beim Umstieg auf eine Wärmepumpe kann die
restlichen Struktur weiter genutzt werden.
Die Gemeinde hat schon viel Vorarbeit geleistet und mit dem bereits vergebenen Nahwärmekonzept mit der Firma
Enerpipe den ersten Schritt getan. Alle Städte und Gemeinden sind aktuell aufgefordert ein Wärmekonzept für
ihre Bürger zu erstellen. Retzstadt hat schon im letzten Jahr begonnen, sich dazu Gedanken zu machen und
verschiedene Möglichkeiten diskutiert.
Es ist davon auszugehen das die Kosten für die erneuerbaren Energien auf Dauer niedrig sind und
bleiben.
Zudem lässt sich Nahwärme als Genossenschaft organisieren, also ohne Gewinnerzielung. Gemeinsam können also
die Kosten niedrig gehalten werden, ohne das ein großer Akteur mögliche Gewinne abschöpft. Wir gewinnen alle
und arbeiten zusammen. Zudem wird durch das Nahwärmenetz wird der Wert der anliegenden und angeschlossenen
Grundstücke gesteigert.
Je mehr Haushalte bzw. Hauseigentümer mitmachen umso eher rentiert sich ein solches Vorhaben.
Aus der Präsentation "Nahwärmeversorgung in Bastheim und Geckenau"
Im Heizungsraum/Keller wird wenig Platz gebraucht, und ein Umbau von Bestandsgebäuden ist nicht nötig. Bei Wärmepumpe wären Flächenheizungen nötig, und für Pellets ist ein Lagerraum sowie regelmäßige Anfahrt nötig.
In der Energiezentrale wird Wasser erwärmt und über isolierte Rohre an umliegende Gebäude geleitet. In den
Häusern sorgen Pufferspeicher und Übergabestationen dafür, dass die benötigte Wärme in das Heizungs- oder
Warmwassersystem gelangt. Wärmenetze sind in Deutschland seit Jahrzehnten etabliert. Die Technik dafür ist
aufeinander abgestimmt, Energiebedarfe werden mit der Erzeugung in Einklang gebracht und die
Steuerungstechnik ist darauf angepasst.
Mit einem verzweigten Rohrnetz wird die Wärme in die beteiligten Häuser geliefert. Eine Übergabestation im
Haus ersetzt den alten eigenen Heizungskeller. Oftmals sind es ältere Öl- und Gasbrenner die ausgetauscht
werden müssen. Im Optimalfall werden diese Objekte in 2-3 Jahren von der Nahwärme Retzstadt e.G. mit
nachhaltiger Wärme versorgt.
Für jedes Projekt muss die passende Wärmeerzeugungs-Variante auf die örtlichen Gegebenheiten und Ressourcen angepasst werden. Holz, Abwärme von Biogasanlagen und Fabriken, Großwärmepumpen oder Solarthermie können mögliche Wärmequelle sein. Hauptsache erneuerbar! Es werden keine Fossilen Brennstoffe eingesetzt. Grundlage eines Nahwärmenetzes sind möglichst viele aktive Teilnehmer und eine geeignete Wärmequelle vor Ort. Diese wird aufgrund von örtlichen Gegebenheiten und individuellen Möglichkeiten gewählt. Oftmals sind diese auch in Kombination möglich (z.B. Hackschnitzel + Wärmepumpe ...).
Hausbesitzer bekommen eine Übergabestation in ihren Heizungskeller. Diese ist meist noch Eigentum der Energiebetreiber. Es ist eigentlich keine eigene Wärmequelle mit entsprechender Installation notwendig. Trotzdem kann bestehende Heiztechnik weiter betrieben werden (Solar, Holzofen...). Wenn ich zu 100 % Wärme vom Nahwärmenetz nehme, spare ich Einbau, Service, Messungen und alles Weitere was für eigene Technik notwendig ist. Die Wärme kommt unkompliziert und zuverlässig ins Haus.
Aktuell läuft die Umfrage an die Hausbesitzer zum Bedarf bei den einzelnen Wohngebäuden im Ort. In dieser
ersten Phase soll der tatsächliche Bedarf für eine Wärmeversorgung durch Dritte im Dorf ermittelt
werden.
Aus der Präsentation "Ein Wärmenetz für Retzstadt"
Übers BEG gibt es derzeit Förderungen für den Anschluss ans Nahwärmenetz, und die nötigen Umbaumaßnahmen.
haben sich sicher die Haushalte, die jetzt schon ein neues Heizsystem suchen bereits eines eingebaut. Es gibt immer zu jedem Zeitpunkt einen Teil der Haushalte, die noch mit der bestehenden Technik einige Jahre auskommen würden. ABER: Wenn der Umbau "zu früh" kommt, kann beispielsweise eine vorhandene Gastherme auch weiter verkauft werden, auch innerhalb des Orts.
Um für alle einen fairen und günstigen Preis realisieren zu können, ist es nötig, dass die Leitungen nicht zu groß dimensioniert werden. Eine Nachverdichtung, also späterer Anschluss ans Netz ist so nicht immer möglich, oder mit hohem Aufwand verbunden. Wer beim Nahwärmenetz mitmachen möchte, sollte direkt zum Start einsteigen und nicht darauf hoffen, nachträglich einen Abzweig gelegt zu bekommen.
Um ein effizientes Netz bauen zu können, sollten möglichst viele Haushalte auf kurze Strecken mitmachen. Um das Vorhaben zu realisieren, sollten im Schnitt 50 % der Haushalte mitmachen. Wird diese Zielmarke erreicht, kann das Projekt weiter entwickelt werden, ansonsten verläuft es im Sande, da es vermutlich nicht rentabel und effizient umsetzbar sein wird.